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von Manfred Briese

De bleke Schiev daar
Is de Sünn
Se schörtjet driest
Hör Mauen up
Un schufft
De witte Wand torügg
Se schafft sük Bott
Verjaggt mit Kracht
De Dook ut Watt
Van Diek un Staat
Un Tuun
De Minsken
Jappen up

©  Manfred Briese

von Alwine Menzel

Der Tag von Nebel grau
verhangen sanfter Regen fällt
es raschelt Laub

Ein Vogel ruft von Ast zu Ast
gespannte Zeilen Baldachin
bewegender Geschichte

Der Weg bleibt menschenleer
im Klostergarten winterlich verwelkt
da duftets nach Kamille

Und wieder steh ich unterm Lindenbaum
der schutzlos ohne Blätterdach
ruinengleich den Zeiten trotzt

Mehr noch als jenes Monument
von Menschenhand das kalt
und hart sich hoch zum Himmel reckt

Ein Kind ertrank im Klosterteich
Wer weiß und  welchem Leid
gebührt Erinnerung?

©  Alwine Menzel

von Ubbo Gerdes
 
Dat Seminar weer anstrengend west, bannig anstrengend. Man de Bedriev waar ik warken dee, schreev dat nu maal vör un daar muss ik mi an hollen. Um so mehr freude ik mi, dat de fief Daag Unnerricht nu bold vörbi weren. Twee Stünnen nochmaal good uppassen un ik harr dat schafft. Ik kunn ’t al heelnich mehr ofwachten, bold mien Froo un besünners mien Enkelkind, de lüttje Lisa weer in mien Arms to sluten, de bi uns in ‘t Huus wohnen dee.
Ik wull jüst mien Kamer verlaten un weer in de Seminarruum torügg gahn, as dat Telefon bimmeln de. „Wat nu denn, ’n Anroop, hier in ’t Hotel, un denn um Middag? Villicht mien Froo? Och nee, dat glöv ik nich, denn muss daar al wat besünners passeert ween, anners röppt de so licht um disse Tied nich an. Of villicht een ut uns Bedriev?“ Ik greep gau na dat Telefon. „Ja, Hallo?“ – „Wir haben sie in den letzten Tagen beobachtet“, hörde ik ’n Mannlüstimm seggen, „wenn sie nicht sofort unser Kind in Ruhe lassen und aus unserem Dorf verschwinden, dann passiert hier etwas schlimmes, darauf können sie sich verlassen, sie Schwein, sie! Und damit sie Bescheid wissen, die Polizei ist schon informiert!“ un do harr he ok al weer upleggt.
Wat harr dat denn to bedüden? Well wull mi daar denn wat anhangen? Ik hebb mi eerstmaal up de Beddkant sett un hebb nadocht. „Dat kann doch woll nich...sull daar villicht een menen, dat ik...?“ Ja, dat muss ja al.
Ik överleggde. Ja, ik bün elke Middagspaus ’n Stünnen spazeeren gahn un hebb mi denn alltied bi de Kinnerspölplatz up ’n Bank daallaten un hebb de lüttje Kinner bi ’t Spölen tokeken. Ja, so weer ’t. Un een lüttje Wicht harr mi dat daar besünners andaan. Dat kweem, wiel se anto so old weer as uns lüttje Lisa. Harr ok so ’n Wuschelkopp, so dunkelbruun Ogen un dat helle Lachen leet mi smaals an to Huus denken. Tominnst hebb ik mien Pläseer d’ran hatt, hör bi ’t Spölen totokieken. Ok hebb ik hör ’n paarmaal up de Schaukel hulpen, wiel se daar alleen nich up kweem. Ja, ik kunn mi allerbest besinnen. Frauke heetde se un  „Onkel, hilfst du mir wieder?“ hett se alltied al van wieden ropen wenn se mi sach. Weer ja ok nix bi west, oder?
Man - sull daar nu villicht een docht hebben, dat ik wat anners van dat Kind wull? Ik, waar ik doch so geern Kinner lieden mag? Ja, un vör ’n halv Stünnen weer ik ja nochmaal up de Spölplatz west. Un do weer de lüttje Frauke ok daar. Se weer ut de Schaukel fallen un harr sük bannig sehr daan. För mi weer do klaar, dat ik hör bedaren muss. Ik hebb hör in de Arms nomen un na hör Mama fraagt. Ja, ik wull hör na Huus bringen.
Man do is daar ’n Froo ankomen, un wo! Wat hett de ok noch an mi seggt? „Lassen sie sofort das Kind los!“ Ja, un denn sä se: „Komm, Frauke, ich bring dich nach Hause! Mußt nicht mit fremden Männern mitgehen!“ Ja, wenn ik so torügg denk, se hett mi dat Kind ja haast ut de Hannen reten. Un ankeken hett se mi, as wenn ik dat Kind ut de Schaukel stött harr.
‘n heel Sett hebb ik noch up de Beddkant seten. Sovöl langer ik nadoch, sovöl mehr wurr mi klaar, worum sük vandaag Minsken so verhollen könt. Blot dat de an d‘ Telefon„Swien“ an mi seggt hett, dat muss ik eerstmaal verknusen.

©    Ubbo Gerdes                                                

von Gerd Constapel
 
To sehn van Westen her uns dagelikse Regenwind.
He dreiht geen bietje bi un sall ok disse Dag bedwingen.
Un van de Lechte blifft nix mehr.
En griese Olldagsslöör:
Al Weken over Weken nix befucht up 't natte Feld.
De Meedjesloten swappelvull van Water un en
Utenn is neet to sehn.
De Mensken achter d' Ruten bünd verdretelk van
Gramietergheid un Ungedüür.
In Huus un Stall un Schüür
hett nüms de Treck na buten bi dat Ungemack.        
Dat Dagbladd meldt noch Regenweer un in de eerste Rieg
van enerwaars en Krieg.
Van enerwaars daar güntsied achter 't Wulkendrieven.


Übertragung ins Hochdeutsche:

Heimat

Zu sehn von Westen her der täglich' Regenwind.
Er dreht kein bißchen bei und wird auch diesen Tag bezwingen.
Und von der Helle bleibt nichts mehr.
Ein grauer Alltagstrott:
Schon Wochen über Wochen nichts erledigt auf dem nassen Feld.
Die Ackergräben übervoll mit Wasser und ein
End' ist nicht zu sehn.
Die Menschen hinter Fenstern sind bekümmert vor
Bitterkeit und Ungeduld.
In Haus und Stall und Scheun'
sehnt sich niemand nach draußen bei dem Ungemach.
Die Zeitung  meld't noch Regenwetter und in der ersten Zeil'
von irgendwo 'nen Krieg.
Von irgendwo dort drüben hinterm Wolkentreiben.

©  Gerd Constapel

von Marianne Brückmann
 
De Tied is daar, ik mutt woll anners schrieven,
van nu an is `t de olle Förm, de tellt.
Alls wat so nett is, bi dat Wark weer gellt
un Haiku, Tanka, nee, dat laat ik blieven.
 
Nu mutt ik futt up Stee in Riemels denken.
Dat is nich licht in ungeriemde Tied.
Wat sall `t! Wenn mi man Dichtersehren wenken.
Eenzig, wat daar bi rutkummt, maakt mi blied!
 
De moiste Biller maalt allmetts mien Spraak.
Mit klörig Pottlood will ik Streken trecken,
Gedachten laat ik flegen as en Draak.
 
An Goethe, Schiller mag mien Dichtkünst recken.
Wenn `t  Hemelspeerd Pegasus mi eens raakt,
will ik mit söte Woord`n jo Künn todecken!

© Marianne Brückmann

von Michael Hüttenberger

Es blühte ein Krokus auf sonniger Wiese.
Ich fragte mich, wie es im Plural wohl hieße,
und schaute erwartungsfroh kurz in die Runde.
Ich hoffte auf Auskunft, korrekt und profunde.

„Der Plural von Krokus heißt ganz bestimmt Kroki“,
sprach Einer, gebildet, „von Locus und Loci.
Vielleicht wird aus [us] auch am Ende ein [u:s]?
Die U-Deklinierung, dann heißt es [Kroku:s]!“

Ein Andrer bestand permanent auf: „Krokunten.
Wie Atlas, Atlanten, nur u, deshalb -unten!“
Doch, Widerspruch. Jemand erklärte: „Krokeen.
Das ist wie beim Kaktus, die Mehrzahl Kakteen.“

Wenn sie, so als Frau, etwas beitragen müsse,
dann wär ihr am liebsten: „Wie Kuss -  die Kroküsse.“
Der Nächste, genervt, meinte praktisch: „Krokusse“.
Er fahre als Busfahrer ausnahmslos Busse.

Dann ging es um Kroken, wie Venus und Venen.
„Wir sind pluralistisch!“, vernahm ich von jenen
vergeblich Befragten. Umsonst mein Bemühen.
Nun muss wohl der Krokus im Singular blühen.

©  Michael Hüttenberger