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In Memoriam Alwine Menzel

Es hätte ihr gefallen, was ihre langjährigen Freunde und lyrisch-musikalischen Mitstreiter dem Publikum im voll besetzten Ev. Gemeindesaal geboten haben. Noch lieber wäre Alwine Menzel, Stedesdorfer Autorin und langjährige Leiterin des Esenser Literaturcafés, sicher dabei gewesen, spürbar gegenwärtig war sie den ganzen Abend. Gleich zu Beginn, nach einer melancholisch beschwingten Einstimmung des gut aufgelegten AGE plus-Quintetts, kam ihre unverwechselbare Stimme aus dem Off, die Einspielung einer Lyrik+Jazz-Lesung im Sommer 2013 im Hayungshof Dunum, „Dame mit Hund“, die heitere Geschichte einer alten Dame, die mit ihrem kleinen Hündchen nach Langeoog reisen möchte.

 

Getragener ging es weiter, Luise Böök, Doris Wohlfarth und Michael Hüttenberger präsentierten einen bislang nicht gekannten lyrischen Ton Alwine Menzels: Strandgedanken, ein kleiner, Ende 2015 erst entstandener, nachdenklich behutsamer Zyklus, eingebettet in leise Bluestöne. Dann kamen die Lesenden selbst zu Wort: Michael Hüttenberger mit seinem furios verdichteten Text „ZeitSprünge“, Doris Wohlfarth hatte acht kleine Gedichte aus eigener Feder mitgebracht, Luise Böök trug ihre plattdeutsche Geschichte „Güüstern blifft“ vor.

Nach der Pause Stimmungswechsel, schon die Musik swingte und groovte mit spürbarer Resonanz im Publikum. Köstlich Alwine Menzels Tiergedichte: die Evolutionstheorie der Meerschweine, der aus dem Tango abgeleitete Gang der Krebse und der als Strandameise verkannte Wattwurm. Doris Wohlfarths „Märchen von Baum und Blatt“ erzählte in einfühlsamer Weise von Vergänglichkeit und Wiederkehr, Luise Bööks „De Teebüss“ spürte einer Familiengeschichte nach und schlug den Bogen von Amerika nach Ostfriesland. Dort setze Michael Hüttenbergers Limerickreise ein, beginnend in Leer, mit grandiosen Reimen und aberwitziger Sprachakrobatik das Harlingerland durchstreifend, brachte er den Saal zum Lachen, um schließlich emanzipatorisch in München zu enden.

Ruhiger wieder der Schluss. „Summertime“, von AGE plus an diesem Abend als getragene Bluesballade interpretiert, bot Sheila Heyartz alle Möglichkeiten, die beeindruckende Bandbreite ihrer fanstatischen Stimme auszuspielen, begleitet von den virtuosen Gitarrenklängen Andreas Scholz‘, der gelassenen rhythmischen Präzision Helmut Geisendorfs am Bass und den mit harmonischen Klangfärbungen und kraftvollen Soli überzeugenden Gerd Menzel an der Trompete sowie Ewu Diekman an Saxophon und Klarinette.

Obwohl fast drei Stunden erreicht waren, ließ das Publikum AGE plus nicht ohne Zugabe von der Bühne, lang anhaltender Beifall war der verdiente Lohn für alle Akteure. Vom Himmel herunter applaudierte sicher auch Alwine Menzel, die, wenn man ihren Autorenkollegen glauben darf, dort inzwischen ein Literaturcafé eröffnet hat.