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Neue Publikation des Stedesdorfer Autors Michael Hüttenberger
„Ein schwarzbuntes Huhn hielt sich für eine Kuh und weigerte sich, jeden Morgen ein Ei zu legen, wenn es nicht jeden Abend gemolken würde.“ Kurz, knapp und augenzwinkernd schildert Hüttenberger den Identitätskonflikt eines offenbar etwas seltsamen Huhns. 111 Miniaturgeschichten mit allzu menschlichen Themen und Konflikten finden sich in diesem Büchlein, markant illustriert von Wiebke Logemann. Mensch findet sich wieder in diesen Hühnerschicksalen: „Ein Huhn mit etwas gestörter Selbstwahrnehmung war so stolz auf seinen langen Hals, dass es irgendwann glaubte, gar kein Huhn zu sein, sondern eine Giraffe.“ Oder: „Ein Huhn mit Mond- und Sternenmuster hielt sich für einen bedeutenden Teil des Universums und kam eines Tages unter die Räder des Großen Wagens.“

Fabelhaft ist es, dieses Büchlein, das Huhn steht symbolisch für den Menschen. „111 human EIdentities“ heißt es folgerichtig im Untertitel, wobei das EI grafisch dargestellt ist.
Der Autor verleugnet sein Faible für Luigi Mallerbas „Die nachdenklichen Hühner“ nicht und erzählt, wie es zu diesem Büchlein gekommen ist. Vor einigen Jahren lernte Hüttenberger die Textilkünstlerin Sabine Brandt kennen, die auf einen Kunsthandwerkermarkt ihre eiergroßen, knuffigen Deko-Stoffhühnchen präsentierte. Fasziniert von der bunten Vielfalt und der Einzigartigkeit jedes Hühnchens entstand die Idee, jedem „seine“ Geschichte zu schreiben, aufgedruckt auf Visitenkarten im Eier-Look, den sog. „EIdentity-Cards“.

Das Ganze wurde ein riesiger Erfolg. Über 45.000 Stoffhühnchen hat Sabine Brandt inzwischen genäht und verkauft, gut 5.000 davon mit Karte, und die Nachfrage nach den Geschichten blieb groß. Was also lag näher, als sie in einem Büchlein zusammenzufassen?

Darin erfährt man noch etwas mehr über den „Stoff, aus dem die Hühner sind“, zudem Biografisches über Autor, Textilkünstlerin und Illustratorin. Auch hier bricht Hüttenbergers Humor durch, heißt es doch in der Vita Sabine Brandts: „Für ihr 50.000stes Huhn erhielt sie 2017 den Eierorden am Band des Präsidenten der deutschen Huhndesrepublik, Joachim Gack.“

Dass, bei aller Hintergründigkeit, nicht alles ernst genommen werden darf, beweist auch die letzte Geschichte im Buch, mit der sich der Autor, wie er sagt, selbst ein wenig auf die Schippe nimmt: „Als eines Tages der Hahn verschwunden war, gedachten die Hühner seiner mit einer Schweigeminute. Hahn im Korb zu sein, bemerkte die älteste Legehenne in die Stille, sei weniger eine Frage der Qualität als Folge einer Mangelerscheinung.“

Was für den Hahn zutreffen mag, stimmt für das Büchlein ganz bestimmt nicht: Es hat Qualität. Und ob dieser besteht die Gefahr, dass es alsbald zur Mangelerscheinung in den Buchläden wird.

Michael Hüttenberger:  Ich Huhn, ich wollt, ich wär ... , 111 human Identities,
Verlag WK-Mediendesign, Langen 2016,  ISBN: 978-3-9814063-5-1,  € 9,90